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Familienfreizeit im "Haus Solling"

Durchatmen auf weitem Raum

Begegnungen - Beziehungen -Bereicherungen

Von Ute Bautsch-Ludolfs, Bad Bevensen

Dassel. Handy, Laptop und der Terminkalender bleiben zu Hause. Akutelle Probleme und Sorgen auch. Urlaub ist angesagt, vielmehr eine Familienfreizeit in einem CVJM-Haus. Vor 8 Jahren waren wir mit unseren sieben Kindern schon einmal da, jetzt kommen nur die zwei „Kleinen“ ( 9 und 11 Jahre) mit uns. Von Dassel aus führt die Erholungsheimstraße aus dem Ort, den Berg immer höher, immer weiter. Das „Haus Solling“ prangt inmitten gepflegter Grünfläche, Mischwäldern und Feuchtwiesen einladend auf.

„Durchatmen auf weitem Raum“ heißt es auf dem Hinweisschuld und neugierig biegen wir ein. Erwartungen, Vergleiche zu „damals“, Vorbehalte keimen auf.

Erstmal ankommen. Die Kinder erkunden das betagte Riesenhaus mit seinen vielen Räumen, vom Spielkeller mit Kegelbahn, den Gruppenräumen, dem Speisesaal bis hin zu ihrem behaglichen Zimmer mit Nasszelle. Dann geht die Erkundung draußen weiter. Der Leiter des Hauses, Gerald Stehrenberg begrüßt uns. Nach wie vor beeindruckt uns der Mann mit seinem diakonischen Wirken und seinem besonderen Engagement für diese Familienfreizeiten mit seinem Führungsqualitäten und seinem situativen Verständnis. Auch er wird Sorgen haben, Ein solch großes Haus zu füllen, immer qualifizierte Mitarbeitende und Zivis zu haben erfordert Geschick.

Was ist denn das? Neugierig nähern wird uns einem merkwürdig auffälligem nummerierten Fangkorb. Einen Disc-Golf-Parcours gibt es hier. Wir lernen hinzu. Mit einer Frisbee-Scheibe geht es darum, mit so wenig Würfen wie möglich diese Scheibe in den Disc-Korb einzuputten. Begegnungen mit Menschen ergeben sich sofort. Mit uns sind rund 15 Familien mit etwa 90 Kindern, vom Neugeborenen bis zum jungen Erwachsenen da.

Großfamilien, Alleinerziehende, Patchwork – Familien, Durchschnittsfamilien, behinderte Angehörige, Einkommensschwache ... Viele Dialekte sind hörbar, vom Schwäbischen bis zum Sächsischen. Eine kinderreiche Familie ist sogar schon das 14. Mal dabei. Mit uns gemeinsam ist eine Tagung mit jungen, dynamischen Auszubildenden der durch Mähdrescher weltweit bekannten Landmaschinen -Familien-Betrieb Claas da.

Und wie sieht es mit dem Glauben aus? Immerhin sind wir in einem CVJM-Haus.

Der weltweite, 150-jährige christlich-ökumenische Jugendverband, den der Glauben an Jesus Christus verbindet, der durch Zuwendung und Begleitung die Liebe Gottes erlebbar lassen möchte, führt Wertschätzung, Ganzheitlichkeit und Demokratie als Fundamtsteine auf. Der Geist wird spürbar, erfahrbar und lesbar. Der Zuspruch Jesu findet sich auf dem Begrüßungskärtchen auf dem Kopfkissen, im neu farblich ansprechend gestalteten Eingangsbereich bis zum Stromhaus. Ein geistliches Lied zum Mittag ist selbstverständlich und auch die Einladung zum gemeinsamen Gottesdienstbesuch und Bibeltreffs. Dabei kommt es auch zu einer beeindruckenden Begegnung mit dem CVJM-Generalsekretär Dr. Wolfgang Neuser. Ein Abschnitt aus dem Johannesevangelium wird ausgelegt und im abendlichen Gespräch macht Dr.
Neuser die gesunde Gottesgelassenheit deutlich und diskutiert über Wertvorstellungen mit den Erwachsenen. Übrigens finden sich Glaubensströmungen vom Adventisten bis zum Atheisten.

Die Palette der Angebote ist vielfältig und für altersdifferenzierte Kinderbetreuung ist gesorgt und ihen bleibt sicherlich die abenteuerliche Nachtwanderung, das Stockbrotrösten am Lagerfeuer oder das turbulente „Räuber- und Gendarmspiel“ im Haus noch Erinnerung. Der gemeinsame Abschlussabend mit vielerlei Darbietungen sowieso. Wer mochte konnte Bogenschießen lernen, reiten, paddeln, etwas über Erste Hilfe mit Kindern erfahren oder Bienen.

Und gemeinsame Familienzeit bleibt auch. Der Solling und das Weserbergland bieten viel zu entdecken. Gemeinsam erkunden wir Einbeck, schauen uns am Kloster Amelungsborn um, gehen behutsam ins nahe gelegene Moor, geraten in ein Mittelalterfest, sind beeindruckt von Marktschreiern in Bad Karlshafen, schnuppern an den Geruchsröhren in Holzminden, gehen in die Natur... Es ist Zeit zum Durchatmen, Luftholen, Auftanken. Es ist Zeit für Gespräche mit anderen, miteinander, untereinander und übereinander. „Das wollen wir ja auch“, erklärt uns Gerald Stehrenberg, „Orientierung und Erholung schaffen!“ Allmählich kann ich auch chillen. Ich genieße die vielfache Entpflichtung.

Sich an einen gedeckten Tisch setzen, am leckeren Büfett bedienen, kaum nörgelnde Kinder, Zeit zum stundenlangen Lesen. Der Alltag, der Berufsstress, das vorausschauende Denken für die Tagesstruktur für Familie, Haushalt und eigene Belange geraten spürbar in den Hintergrund. Durchatmen auf weitem Raum? Hier ist es möglich. Und auch im Jahre 2008 wird es sicherlich wieder solche Familienfreizeiten geben.